Sparen zwischen Skepsis und Zuversicht

Deutscher Geldanlage-Index des DIVA-Instituts: Das denken Verbraucher und Experten über die Chancen der aktienbasierten Anlageformen.

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Erstmals ermittelte das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) den sogenannten Deutschen Geldanlage-Index, der die Einstellungen und Einschätzungen der Menschen in Deutschland zur Geldanlage in Aktien, Aktienfonds und fondsgebundene Lebensversicherungen misst. Neben einer repräsentativen Stichprobe von 1.000 Verbrauchern werden im Index auch die Einschätzungen von rund 1.500 Finanzexperten mit rund 1,5 Millionen Kunden berücksichtigt.

Insgesamt eher positives Stimmungsbild zu Aktien

Die aktuellen Zahlen zeigen zwei Welten: Über die Hälfte der Menschen meint, es gebe vor dem Hintergrund der Corona-Situation keinen Grund zur Aufregung. Die aktuelle Situation biete Chancen, und man solle sein Engagement an der Börse wie bisher fortsetzen oder sogar verstärken. Jeder Fünfte will hingegen pausieren oder sein Engagement reduzieren.

Auf einer Werteskala von -100 bis +100 zeichnet der Deutsche Geldanlage-Index mit einem Wert von +44,2 tendenziell ein positives Stimmungsbild. Die insgesamt gute Stimmung deckt sich mit dem aktuellen Anlegerverhalten: Banken und Fondsgesellschaften berichten derzeit über erhebliche Mittelzuflüsse in aktienbasierte Anlagen.

„Die Deutschen haben offensichtlich dazu gelernt, viele haben die Kurschancen im März genutzt. Schaut man sich die aktuellen Börsenstände an, war dies eine gute Entscheidung“, so Prof. Dr. Michael Heuser, wissenschaftlicher Direktor des DIVA.

Allerdings verteilen sich die Gewinne nicht gleichmäßig, so der DIVA-Index: Besonders profitiert haben die Bürger in Bayern und Baden-Württemberg, eher junge Menschen und Besserverdienende, denn diese verzeichnen die höchsten Werte im Geldanlage-Index.

Staat als Geldanleger ist Schlusslicht

Fragt man die Bürger und die Experten danach, wem sie ihr Geld am ehesten anvertrauen würden, wenn es um die Geldanlage in Aktien ginge, wäre der Staat Schlusslicht (Bürger: 14,0 %; Experten: 0,9 %). Auf den Plätzen eins und zwei lägen die Banken (31,6 % / 6,1 %) und die Fondsgesellschaften (30,2 % / 85,4 %). Vor dem Hintergrund der Diskussionen über einen Staatfonds für die private Altersvorsorge, dessen Geld – ähnlich wie in Norwegen ­­­– zu einem Großteil auch in Aktien investiert werden würde, erteilt die Umfrage einem solchen Ansinnen eine klare Absage.

Staatliche Förderung wäre wünschenswert

Trotz des durchaus positiven Stimmungsbildes profitieren immer noch zu wenig Deutsche von den Chancen aktienbasierter Anlageformen - gerade in Zeiten von Null-Zins eine nicht optimale Situation. Denn es sind vor allem die Besserverdienenden, die den mit Abstand höchsten Geldanlageindex aufweisen. Fragt man die Bürger, was neben der Renditechance zur Anlage in Aktien motivieren würde, liegt auf Platz eins eine Garantie gegen Verluste (43 % / 20,4 %), aber schon auf Platz zwei die staatliche Förderung (31,9 % / 44,2 %), zum Beispiel durch Zulagen und steuerliche Vergünstigungen.  

Sicherheit deutlich vor Rendite

Liquidität, Nachhaltigkeit, Rendite und Sicherheit – was ist also ist den Menschen am wichtigsten? In allen Altersgruppen lag die Sicherheit der Geldanlage deutlich vor der Rendite. Im Zweifel verzichten die Deutschen also auf Rendite, wenn dafür das Geld sicher ist, so die Ergebnisse.  

Die Stimmung für Aktien in Deutschland ist besser, als das tatsächliche Börsenengagement der Anleger.

Prof. Dr. Michael Heuser, wissenschaftlicher Direktor des DIVA

Dies erklärt, warum immer noch zu wenig Menschen die Chancen der aktienbasierten Anlage nutzen. Die Befragung der Experten liefert hier aber eine zusätzliche Erklärung: Nach deren Einschätzung fehlt es bei rund der Hälfte ihrer rund 1,5 Millionen Kunden (47,8 %) an den erforderlichen Kenntnissen über die Funktionsweise aktienbasierter Anlageformen.

Auf den Plätzen drei und vier ungefähr gleichauf, aber deutlich hinter den Kriterien Sicherheit und Rendite rangieren die Liquidität und die Nachhaltigkeit als Kriterien für die Geldanlage. „Es zeigt sich, dass Corona das Thema Nachhaltigkeit aktuell verdrängt. Dies gilt offensichtlich auch für die Geldanlage. Fest steht aber: Am Ende wollen die Menschen zu allererst ihr mühsames Erspartes erhalten und möglichst einen Gewinn in Höhe der Inflationsrate erzielen,“ so Prof. Dr. Heuser.

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